Trainer Camdzic fehlen die Worte

Regionalliga: Gelnhausen spielt wie eine Spitzenmannschaft und ist jetzt bestes Rückrundenteam – Grunwaldt sieht Rot

GELNHAUSEN. Der TV Gelnhausen tritt in der Handball-Regionalliga Südwest immer mehr wie eine Spitzenmannschaft auf. Nach den Erfolgen der vergangenen Wochen war das Momentum gegen den TV Groß-Umstadt so groß, dass die Barbarossastädter auch den Tabellenführer dominierten und mit 25:21 (10:8) besiegten – und nun selbst einen Spitzenplatz einnehmen: Mit 13:1 Punkten in Serie ist der TVG das beste Rückrundenteam der Liga.
Über die Qualität des Gezeigten kann es keine zwei Meinungen geben: Es waren die besten 60 Minuten seit langer Zeit in der Großsporthalle. Insbesondere was beide Teams in der Abwehr leisteten, hatte Niveau: Besseres kann man in der Regionalliga kaum sehen. Und dass Gelnhausen von der ersten bis zur letzten Minute führte, dass das Team erst in der 16. (!) Minute den dritten Gegentreffer kassierte selbst in doppelter Unterzahl knapp 120 Sekunden lang vom Klassenprimus nicht auszuspielen war (27. bis 29. Spielminute), begeisterte selbst den kühlen Kopf Jasmin Camdzic: "Ich bin regelrecht sprachlos", gab der TVG-Trainer zu.
Das Spiel war schnell und intensiv. Besonders zu Beginn beider Halbzeiten investierten beide Teams immense Kräfte. Dabei hatten die Gastgeber den perfekten Start: 5:1 nach zehn, 8:3 nach 16 Minuten – Groß-Umstadts Coach Ralf Ludwig musste früh die Grüne Karte werfen, um neue Kommandos zu geben. Zwar wurde es beim 8:7 (27.) tatsächlich eng und auch beim 10:9 (31.) schien der Tabellenführer Kontrolle über das Spielgeschehen gewinnen zu können. Doch Gelnhausen zeigte Nervenstärke: wenige Zeigerumdrehungen später war Groß-Umstadt wieder auf drei Treffer distanziert. "Das Team hat sich selbst wieder aus dem Sumpf gezogen, auch ohne Auszeit", war Camdzic auch von der mentalen Kraft seiner Akteure "echt begeistert".

Beides stimmte: Übersicht selbst in kniffligen, weil umkämpften Situationen, und Tatkraft. Gelnhausen verstellte dem Gegner mit begeisternder Beinarbeit ebenso geschickt wie konsequent die Räume vor dem eigenen Tor. Beweglich und flink fächerte sich die 3:2:1-Formation vor dem anstürmenden Gegner auf, um Kraft zu brechen, oder drängte den Ballführenden Opponenten in ungünstige Positionen ab. Zudem wurden die meisten Zweikämpfe in dieser heißen Zone gewonnen und das Rückzugsverhalten war glänzend. Ging der Ball im Angriff verloren, standen Sekunden später die Spieler wieder auf ihren Posten. "Wir haben diesmal eine regelrechte Mauer aufgebaut", beschrieb Allrounder Thomas Nielsen die Defensivleistung anschaulich. Dank dieser Wand konnte der TVG auch die Fehlwürfe verschmerzen (alleine drei vergebene Siebenmeter), die dem Angriff Schärfe nahmen.
Aber auch Gästetrainer Ludwig, der mit Gesten und Kommandos seine Spieler unentwegt zu mehr Eifer antrieb, monierte später, dass sein Team zu wenig Druck über die Außenpositionen entwickelte. Camdzic klopfte seinem Torwart Julian Lahme auf die Schulter, weil er die Vorgabe, 60 Prozent der Würfe von rechts oder links abwehren zu sollen, um fast 40 Prozent übertraf: Der Mann im TVG-Tor ist aus spitzem Winkel scheinbar überhaupt nicht mehr zu überwinden. Aber auch Groß-Umstadts Rückraum-Hühne Florian See, mit satten 176 Saisontreffern bester Torjäger der Liga, wurde nahezu perfekt ausgebremst. Nur drei Tore hatte der blonde Riese am Ende vorzuweisen – Philipp Schwaab und Fabian Eurich verdienten sich in einem starken Defensivteam die Bestnoten.

Aber auch Anders Indset und Philip Deinet hob Camdzic hervor. Deinet glich mit seiner Energie den Ausfall von Jan Wacker (krank) aus, „und zusammen mit Schwaab und Eurich hat er sicher gestellt, dass wir bis zum Schluss Kondition beweisen konnten.“ Und Indset koordinierte die Offensivaktionen in solch einer Art und Weise, dass sein Trainer Superlative wählte: „So gut habe ich ihn noch nie spielen sehen.“ Dagegen musste Tom Grunwaldt, der frühere Torjäger und Abwehrkoloss in Diensten des TVG und jetzige Co-Trainer des TV Groß-Umstadt, diesmal einen unrühmlichen Abgang: Nach einer Kollision mit Philipp Deinet, bei dem beide Spieler zu Boden gingen, verwiesen ihn die Referees mit der roten Karte nach 29 nur Minuten des Feldes.

Quelle: Gelnhäuser Tageblatt


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