Max Wildner: Ein TVGler organisiert Deutschlands Nationalmannschaften
20. Juli 2026
Max Wildner: Ein TVGler organisiert Deutschlands Nationalmannschaften Deutschlands größte Handballtalente kommen nach Gelnhausen
Wenn am Samstag, 25. Juli, um 19.30 Uhr die U18-Nationalmannschaften Deutschlands und der Schweiz in der Gelnhäuser Rudi-Lechleidner-Halle aufeinandertreffen, dürfen sich die Handballfans auf die Generalprobe der deutschen Auswahl für die Europameisterschaft freuen. Einer, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Länderspiel nach Gelnhausen kommt, ist Max Wildner. Der gebürtige Gelnhäuser spielte selbst viele Jahre für den TV Gelnhausen und war später auch als Trainer im Verein aktiv. Heute ist er Leiter Organisation Nationalmannschaften beim Deutschen Handballbund (DHB). Im Interview spricht er über seine Verbundenheit zum TVG, die Bedeutung von Nachwuchsländerspielen, die Entwicklung des deutschen Handballs und verrät, auf welche Talente die Zuschauer besonders achten sollten. Tickets für das U18-Länderspiel sind auf der Homepage des TV Gelnhausen sowie am Spieltag an der Abendkasse erhältlich.
Max Wildner (Foto: Marco Wolf/DHB)
Max, du bist in Gelnhausen aufgewachsen und hast selbst viele Jahre für den TV Gelnhausen gespielt und später auch als Trainer gearbeitet. Welche Erinnerungen verbindest du heute noch mit dem Verein?
Max Wilder: Als gebürtiger Gelnhäuser, ehemaliger Spieler und Trainer verbinde ich natürlich noch sehr viele Erinnerungen mit dem Verein. Als Spieler habe ich alle Jugendmannschaften durchlaufen bis in den Seniorenbereich. Als Trainer war ich sechs Jahre lang aktiv, anfangs auch mit Philip Deinet zusammen. Unter anderem habe ich zu dieser Zeit Torben Fehl, Fynn Hilb und Henrik Müller trainiert. Es ist natürlich besonders schön zu sehen, dass die Jungs seit mehreren Jahren in der ersten Mannschaft spielen. Daher bin ich auch heute noch mit vielen Personen aus dem Verein in Kontakt und die Begegnungen bei Heimspielen bereiten mir somit umso größere Freude.
Mittlerweile bist du Leiter Organisation Nationalmannschaften beim DHB. Was muss man sich darunter vorstellen?
Max Wildner: Mit meinem Team bin ich für die organisatorischen und finanziellen Belange aller Nationalmannschaften zuständig. Dazu zählen im weiblichen und männlichen Bereich jeweils drei U-Nationalmannschaften sowie die beiden A-Nationalmannschaften. Inhaltlich geht es hauptsächlich um die sportorganisatorischen Vorbereitungen im Vorfeld von Trainingslagern, Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen, die alle vier Jahre stattfinden. Neben der Kommunikation mit Spielern und Trainern müssen externe Dienstleistungen für Reise, Unterbringung, Verpflegung und Training koordiniert werden. Auch der Austausch mit anderen Nationalverbänden sowie dem europäischen und dem Weltverband gehört zum Arbeitsalltag.
Du hast deinen Teil dazu beigetragen, dass Gelnhausen in den Genuss eines U-18-Länderspiels kommt. Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?
Max Wildner: Das Länderspiel in Gelnhausen wird die Generalprobe zur Europameisterschaft sein, die am 29. Juli in Serbien beginnt. Beide Mannschaften werden darauf bedacht sein, mit einem positiven Gefühl zur EM zu reisen. Die Zuschauer dürfen sich auf die besten Handballtalente Deutschlands und der Schweiz freuen und auf einen hoffentlich kurzweiligen Handballabend.
Wie wichtig sind solche Länderspiele für die Entwicklung junger Talente?
Max Wildner: Für die Nachwuchsnationalspieler gibt es nichts Größeres als mit dem Adler auf der Brust zu spielen und gemeinsam die Nationalhymne zu singen. Das sorgt für zusätzliche Motivation. Auf dem Weg zur A-Nationalmannschaft ist es extrem wichtig, sich mit den besten Spielern derselben Altersklasse aus anderen Nationen zu messen und unterschiedliche Erfahrungen zu sammeln. Die vielen Länderspiele und Europa- bzw. Weltmeisterschaften formen die jungen Talente über Jahre hinweg, um letztendlich hoffentlich den Sprung in die A-Nationalmannschaft zu schaffen.
Gibt es Spieler im deutschen Kader, auf die Handballfans besonders achten sollten?
Max Wilder: Die aktuelle U18-Nationalmannschaft besteht zum Großteil aus Spielern, die im vergangenen Jahr den ersten U17-Weltmeistertitel der Geschichte gewonnen haben. Insgesamt kommen die Spieler aus zehn unterschiedlichen Vereinen. Leo Nowak ist der einzige Spieler, der mit den Füchsen Berlin das Finale der EHF Youth Trophy in Köln erreicht hat. Kreisläufer Malte Elze rückt bereits an den Bundesligakader vom SC Magdeburg heran, mit Elvis Kretzschmar, Kalle Gaugisch und Lenn Strobel sind auch Spieler großer Handballfamilien mit dabei. Bundestrainer Erik Wudtke, zugleich auch Co-Trainer der Männer-Nationalmannschaft, gewann im vergangenen Jahr den Weltmeistertitel mit der U19-Nationalmannschaft.
Wie hat sich die Nachwuchsarbeit im deutschen Handball in den vergangenen Jahren verändert?
Max Wildner: Das vergangene Jahr war für den DHB das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des deutschen Nachwuchshandballs. Auch in diesem Jahr geht es schon wieder erfolgreich weiter. Die weibliche U20 wurde in China Weltmeister, nachdem sie 2025 bereits die Europameisterschaft gewinnen konnte. Insgesamt befinden wir uns in einer sportlich sehr guten Phase, die hoffentlich viele neue A-Nationalspieler hervorbringen wird. Die Strukturen im Leistungssport des DHB wurden in den vergangenen Jahren ausgebaut und gezielt verstärkt. Mit Bundestrainerpositionen in den Bereichen Torwart, Athletik sowie Bildung und Wissenschaft konnte eine Struktur etabliert werden, um mannschaftsübergreifend gezielt und spezifisch arbeiten zu können. Der aktuelle Erfolg spricht für sich. Zudem sollen die DHB-Leistungssichtungen ab dem nächsten Sichtungszyklus weiterentwickelt werden, um Talente individueller und weniger schematisch bewerten zu können. Die zukünftige Etablierung mehrerer DHB-Stützpunkte im weiblichen Bereich wird die professionelle Ausbildung der weiblichen Talente unterstützen.
Welche Eigenschaften zeichnen einen Spieler aus, der den Sprung in eine Nationalmannschaft schaffen kann?
Max Wildner: Wir haben in Deutschland eine große Dichte an Nachwuchshandballern, was zu einem intensiven Wettkampf und zu einem schwierigen Auswahlprozess führt. Die wenigen Spieler, die den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen, müssen sich entscheidend vom großen Rest abheben. Ausschlaggebend sind athletische, mentale und spieltaktische Eigenschaften. Aber natürlich müssen auch positionsspezifische Unterscheidungen getroffen werden. Für einen Kreisläufer gibt es andere Anforderungen als für einen Torwart oder für einen Außenspieler. Bei der DHB-Sichtung sind die Spielerinnen und Spieler 15 bis 16 Jahre alt. Nicht immer gelingt es bereits in den jungen Jahren die Besten der Besten herauszufiltern, wie das Beispiel von Marko Grgic zeigt. Ohne den üblichen Weg über die U-Nationalmannschaften hat er den Sprung in die A-Nationalmannschaft geschafft und mit 20 Jahren sein erstes Länderspiel absolviert.
In welche Richtung entwickelt sich das Handballspiel grundsätzlich. Welche Typen werden immer gefragter?
Max Wildner: Das Handballspiel wird immer dynamischer. Dazu tragen auch Regeländerungen bei, wie zum Beispiel der siebte Feldspieler oder der „schnelle Anwurf“. In der heutigen Handballweltspitze ist der komplette, extrem athletische und schnelle Allrounder gefragt, der sowohl im Angriff als auch in der Abwehr kompromisslos agiert. Das Anforderungsprofil moderner Handballer wird vor allem durch Athletik, Umschaltgeschwindigkeit und positionsübergreifender Vielseitigkeit bestimmt. Auch die Abwehrstärke ist heute unverzichtbar, reine Angriffsspezialisten werden immer seltener. Neben der Physis spielt die mentale Stärke eine besondere Rolle, um vor allem in engen Spielen durch Stressresistenz und taktische Intelligenz stets schnell handeln zu können. Das beste Beispiel hierfür ist sicherlich Welthandballer Mathias Gidsel, der nahezu alle Anforderungen auf Weltklasseniveau beherrscht.
Der TV Gelnhausen hat ja auch noch eine junge Mannschaft. Du konntest dir in der Aufstiegsrunde ein Bild davon machen. Wie haben dir die Jungs gefallen?
Max Wildner: Ich habe beide Heimspiele live mitverfolgt und war begeistert von der geschlossenen Mannschaftsleistung und dem Auftreten der Jungs. Es hat sich gezeigt, dass Zusammenhalt, Leidenschaft und Kampfgeist wichtiger sein können als individuelle Klasse. Gemeinsam mit den großartigen Fans hat die Mannschaft eine Einheit gebildet und am Maximum gespielt. Im letzten Spiel hat sich dann gezeigt, dass die mentale Komponente nicht zu unterschätzen ist. Es ist schade, dass sich die Mannschaft für diese grandiose Saison nicht selbst belohnt hat, aber jeder kann stolz auf das Erreichte sein und diese Energie in die kommende Saison mitnehmen.
Wie beurteilst du die Entwicklung des TV Gelnhausen als Handballstandort?
Max Wildner: Die Entwicklung des Handballstandorts Gelnhausen in den letzten Jahren gefällt mir richtig gut. Es ist schön zu sehen, dass sich der TVG auch abseits des Sportlichen weiterentwickelt. Zahlreiche Partner und Sponsoren unterstützen den Verein und bilden ein stabiles Gerüst. Das Netzwerkevent „Sport meets Business“ ist ein großartiges Format, das Wirtschaft, Politik und Sport zusammenbringt. Diese Verknüpfungen halte ich für besonders wertvoll, da sportliche Höchstleistungen auf Dauer nur mit einer solch starken Basis möglich sind. Auch die Eröffnung der neuen Geschäftsstelle ist ein weiterer Schritt in der Professionalisierung des Vereins.
